Projekt des Monats November

 

 

 

 

Fit für kulturelle Vielfalt

Mit dem Präventionsprogramm Fit für kulturelle Vielfalt bietet das Bremer Institut für Pädagogik und Psychologie ein evidenzbasiertes Verhaltenstraining zur Stärkung der interkulturellen Kompetenz von Jugendlichen. In kulturell gemischten Gruppen erfahren die Teilnehmenden die notwendigen Fähigkeiten und Werte, die für ein Leben in unserer multiethnischen und pluralistisch geprägten Gesellschaft erforderlich sind.

Fit für kulturelle Vielfalt (ehem. Fit for Differences) ist ein manualisiertes Präventionsprogramm für Heranwachsende zwischen 13 bis 21 Jahren. Der Schwerpunkt liegt dabei auf einem interkulturellen Kompetenztraining. Im Sinne des Train-the-Trainer Konzeptes bildet das Bremer Institut für Pädagogik und Psychologie (bipp) zunächst Lehrer*innen, Erzieher*innen, Sozialarbeiter*innen, Sozialpädagog*innen u. Ä. fort, die sodann als Multiplikator*innen agieren und die Trainings mit den Heranwachsenden in ihrer Einrichtung umsetzen können.

Seit Gründung des Instituts im Jahr 2000 entwickelt das bipp manualisierte Sozialtrainings und bietet die Aus- und Fortbildung von Trainer*innen an. Dabei bekommen sie ein strukturiertes Trainingssetting an die Hand, das einen konkreten Ablauf, Module und Methoden für die Arbeit mit ihrer Klientel umfasst. Eines der ersten Programme war Fit for Life, bei dem die Heranwachsenden vor allem lernen, die Herausforderung der modernen Welt und der Arbeitswelt zu meistern (Lebenskompetenzen). Durchgeführt wird das Training vor allem in Schulen, aber auch im Resozialisierungskontext des Jugendstrafvollzuges und in Berufsintegrationsmaßnahmen von großen Bildungsträgern.

Zu den Tätigkeiten des Instituts gehört auch die Begleitung und Beratung von Schulen hinsichtlich ihrer Schulentwicklung und der Implementierung eines sozial-emotionalen Curriculums neben dem normalen Fachcurriculum. Durch die zunehmenden Herausforderungen in den Bereichen Inklusion und Migration, hat sich der Bedarf an solchen Trainings in Schulen deutlich erhöht. „Den Teilnehmenden wird bewusstgemacht, dass ihr Verhalten und ihre Denkweise gestaltbar sind. Das ist ein Konstrukt. Es geht darum, ihnen bewusst zu machen, dass der soziale Umgang miteinander von jedem Einzelnen abhängt, dass jeder ein Teil davon ist und Verantwortung trägt“, so der Leiter des Instituts Ralf Bornstedt. Besonders wichtig sind ihm dabei eine hohe Qualität sowie die Replizierbarkeit der Maßnahmen.

Seit 2014 bietet das bipp das Programm Fit für kulturelle Vielfalt an, das sich neben den Sozial- und Lebenskompetenzen auf den Auf- und Ausbau interkultureller Kompetenz spezialisiert. Die Multiplikator*innenfortbildung besteht aus insgesamt 40 Seminareinheiten von jeweils 45 Minuten, die in ein oder zwei Einheiten gebucht werden können. Der Fokus dieser Ausbildung liegt auf der Praxis: Nur etwa 30% der Ausbildung sind theoretischer Input, die restlichen 70% bestehen aus Trainingssimulationen, bei denen ein Auszubildender die einzelnen Phasen des strukturierten Trainings durchführt, während die anderen Teilnehmenden die Rolle der Jugendlichen einnehmen und retrospektives Feedback geben.

Auch in den darauffolgenden Verhaltenstrainings mit den Heranwachsenden erwerben die teilnehmenden 13 bis 21-Jährigen ihre interkulturellen Kompetenzen primär durch Rollenspiele, Verhaltensübungen, soziale Verhaltensregeln und Trainingsrituale. In interkulturell gemischten Gruppen (i.d.R. die regulären Schulklassen) durchlaufen die Jugendlichen insgesamt 15 Module, in denen es unter anderem um Perspektivwechsel, Empathie, Selbstwirksamkeit, Ambiguitätstoleranz, Interkulturalität und Transkulturalität geht. Ziel ist es, bei den Heranwachsenden mehr Verständnis, Offenheit und Akzeptanz „dem Anderen“ gegenüber zu generieren. Sie werden darauf vorbereitet, produktiv mit interpersonellen als auch intrapersonellen Konflikten umzugehen. Neben seiner präventiven Wirkung gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung, leistet Fit für kulturelle Vielfalt daher auch einen Beitrag zur Integration migrantischer Kinder und Jugendlicher in die Gesellschaft. Das klar strukturierte Training ist insgesamt für einen Zeitraum von sechs Monaten mit wöchentlichen Sitzungen à 90 Minuten konzipiert. Wie viele und welche Inhalte die fortgebildeten Multiplikator*innen davon mit ihrer Klientel umsetzen, variiert jedoch. Weitere Informationen zum Programm sowie den Download des Manuals finden Sie hier.

Was die Anfrage nach Fit für kulturelle Vielfalt betrifft, ist noch Luft nach oben, so Ralf Bornstedt. Die bisher relativ geringe Nachfrage nach dem Programm erklärt er sich unter anderem durch die akute Überforderung der Schulen. Außerdem hat er die Erfahrung gemacht, dass viele Schulen für ein solch umfangreiches Training nicht ausreichend personelle und zeitliche Ressourcen einräumen können. Im Idealfall empfiehlt Ralf Bornstedt ein kontinuierliches Training, das die Jugendlichen mittelfristig in ihrer Entwicklung begleitet. Es sei sinnvoll, zunächst das Programm Fit for Life als Grundlagentraining anzubieten und anschließend Fit für kulturelle Vielfalt als Add-on nachzuschalten: „Für mich sind allgemeine soziale Kompetenzen – wie ein respektvoller Umgang, Ausdrucksfähigkeit, Konfliktfähigkeit, Kritikfähigkeit – die Basics. Ein interkulturelles Training ist für mich das Sahnehäubchen, das oben drauf kommt. Das ist der nächste Schritt, nachdem ein Regelwerk des sozialen Umgangs miteinander vorgelagert wurde.“

Angelehnt an Fit für kulturelle Vielfalt hat das bipp im Auftrag des LKA Niedersachsen nun ein weiteres Programm entwickelt, das sich an Kinder der Primarstufe richtet: Kinder leben Vielfalt. Auch die kürzlich abgeschlossene Evaluation dieses Programms ist vielversprechend, sodass das in Kairo (Ägypten) bereits angebotene Training ab 2020 auch die deutsche Präventionslandschaft bereichern wird.

 

Kontakt:

Ralf Bornstedt & Holger Hegekötter, Leiter des Bremer Instituts für Pädagogik und Psychologie, info@bipp-bremen.de

Für weitere Informationen über Fit für kulturelle Vielfalt und weitere Programme des Instituts besuchen Sie gerne die bipp Website oder folgen dem bipp auf Facebook.