Jugendschutz für geflüchtete Jugendliche – Beziehungen zählen am 25.10.2016

LJS stellt am 25. 10. 2016 neue Erkenntnisse zur Situation jugendlicher Geflüchteter vor und sieht zusätzliche Aufgaben für den Jugendschutz

Hannover, 13.10.2016. Die Landesstelle Jugendschutz Niedersachsen thematisiert auf ihrer Fachtagung in Hannover am 25.10.2016 die Situation geflüchteter Kinder und Jugendlicher. Im Mittelpunkt stehen dabei die Herausforderungen, denen sich Jungen und Mädchen mit Fluchterfahrung stellen müssen. Damit verbunden sind auch neue Aufgaben für den Jugendschutz.

Die Zahl der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge ist seit 2015 stark gestiegen und liegt aktuell bei 52.000. Parallel wächst auch die Zahl der Kinder, die mit ihren Familien geflüchtet sind. Viele junge Menschen sind traumatisiert und besonders schutzbedürftig. Aber auch der normale Alltag bringt Schwierigkeiten mit sich: „Nach den Risiken der Flucht und den Erfahrungen von Stress und Gewalt kommen die Jungen und Mädchen in einer für sie unbekannten Gesellschaft an – allein das Zurechtfinden mit den neuen Regeln und Institutionen ist für sie eine große Aufgabe“, konstatiert Andrea Buskotte, Referentin für Gewaltprävention bei der LJS. Hinzu kommen kulturell geprägte Rollenbilder – und damit verbunden eine grundsätzliche Verunsicherung. „Wir sind besorgt angesichts der Berichte über Übergriffe, die jugendliche Geflüchtete begehen, aber auch wegen der Ablehnung und Diskriminierungen, die sie hier erfahren“, so Buskotte. Gerade unbegleitete Jungen und Mädchen brauchen tragfähige und verlässliche Beziehungsangebote – und eine empathische Haltung der Fachkräfte, die sie betreuen.

Die Referenten gehen der Frage nach, welche Möglichkeiten die Jugendlichen haben, ihre Erfahrungen angemessen zu verarbeiten und welche Begleitung durch Jugendhilfe und Schule dabei notwendig sind. Einführend stellt Joachim Glaum vom Niedersächsischen Landesamt für Soziales, Jugend und Familie gemeinsam mit Reinhold Gravelmann vom AFET Bundesverband für Erziehungshilfe die Situation junger Flüchtlinge in Niedersachsen vor. Dr. Claudia Lechner und Dr. Diana Willems vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) in München veranschaulichen anhand aktueller Daten aus einer Studie des DJI die Erfahrungen jugendlicher Geflüchteter mit den Institutionen in Deutschland und analysieren dabei insbesondere Gewaltrisiken der Jugendlichen.
Im zweiten Tagungsteil wird es darum gehen, wie Fachkräfte die Jungen und Mädchen unterstützen können, ein positives Selbstbild und Handlungskompetenzen zu entwickeln.

Dazu berichtet Christoph Müller von der Leibniz Universität Hannover aus einem aktuellen Projekt, in dem Beziehungsförderung als entscheidender Aspekt der pädagogischen Arbeit mit jungen Flüchtlingen erprobt wird.
Orgun Özcan von der Universität Marburg bezieht sich auf Diskriminierungserfahrungen und stellt Strategien vor, mit diesen umzugehen.
Im Abschlussvortrag thematisiert Hannah von Grönheim von der Hochschule für angewandte Wissenschaften und Kunst in Hildesheim die Bedeutung professioneller Kompetenz und persönlicher Haltung im Umgang mit Menschen verschiedener Kulturen. In diesem Zusammenhang verweist Simone Zanjani, Referentin für Migration und Elternarbeit bei der LJS, auf das Potential, das mit den Fluchterfahrungen verbunden sein kann: „Man sollte hier immer beide Seiten sehen und prüfen, ob die Mädchen und Jungen nicht auch besonders gestärkt aus ihren Fluchterfahrungen hervorgehen – und sich den Entwicklungsaufgaben ihrer Altersphase besser stellen können.“ Über eine Berichterstattung zur Tagung freuen wir uns.

Links:
Studie des DJI: https://www.dji.de/index.php?id=43785&L=0
Angaben zur Anzahl minderjähriger Flüchtlinge:
https://mediendienst-integration.de/migration/flucht-asyl/minderjaehrige.html
https://www.b-umf.de/images/160906_PM_Auswertung_UMF_Zahlen.pdf

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